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Nichts tun – aber richtig!

Chinesen gelten als fleißig. Das ist ein Missverständnis. Denn wenn Chinesen die Wahl haben, tun sie lieber: nichts.

Eine meiner nützlichsten Erkenntnisse über China verdanke ich der Direktorin Zhang, einem Verwaltungsdrachen der Pekinger Filmhochschule, an der ich Ende der Neunzigerjahre studiert habe. Einmal im Monat musste ich in ihr Büro, ein Zimmer voller Gerümpel, mit einem schmalen Schreibtisch und einem wuchtigen Sofa, um meine Stipendiumsrate abzuholen. Den Antrittsbesuch stattete ich ihr an einem der ersten Tage kurz nach Mittag ab. Auf mein Klopfen gab es zunächst keine Antwort, dann ein Grunzen, und als ich lauter pochte, blickte ich plötzlich in ein vom Schlaf zerknautschtes Gesicht mit derangierter Frisur. „Von elf bis zwei ist Pause“, fauchte Zhang. „Merk dir das!“…

Bernhard Bartsch | 27. März 2013 um 08:32 Uhr

 

Illegal? Egal!

Braucht eine funktionierende Wirtschaft ein Urheberrecht? Die Chinesen lernen gerade: ja.

Der Diebstahl geschieht am helllichten Tage, auf offener Straße. Alle wissen es, viele schauen hin. Manche machen mit. Aber niemand stößt sich daran: Auf der Gepäckfläche seines Dreirades hat ein Händler mitten im Gewimmel einer schmalen Straße, durch die wohlhabende Pekinger zum Ausgehviertel Sanlitun strömen, ein kleines Sortiment DVDs für umgerechnet ein Euro das Stück ausgelegt – Kopien chinesischer Action-Filme, aktueller Hollywood-Hits sowie Boxen populärer Fernsehserien. Eine größere Auswahl bieten zwei Läden, die nur wenige Schritte entfernt sind und locker zehntausend Filme und Musik-CDs in ihren Regalen liegen haben…

Bernhard Bartsch | 23. März 2013 um 08:30 Uhr

 

„Diese neue Führung ist experimentierfreudiger“

Der Pekinger Regierungsberater Cui Zhiyuan über die neue Führung in China, dringende Reformen und die Doktorarbeit von Xi Jinping.

Cui_ZhiyuanBernhard Bartsch: Professor Cui, der epochale Generationswechsel in Chinas Führung ist abgeschlossen. Gibt es nun den erhofften Reformschub?

Cui Zhiyuan: Grundsätzlich glaube ich, dass die neue Führung experimentierfreudiger ist und mehr lokale Reformversuche wagen wird.

Woher stammt ihr Optimismus?

Zum Beispiel aus der Lektüre der Doktorarbeit von Xi Jinping…

Bernhard Bartsch | 18. März 2013 um 06:50 Uhr

 

Team China

Die neue chinesische Regierung startet mit großen Reformversprechen ins Amt. Zum Kabinett von Premier Li Keqiang gehört auch ein ausgewiesener Deutschlandfreund.

Peking Für Wahlversprechen war es eigentlich zu spät, als Chinas neuer Regierungschef Li Keqiang am Sonntag in Pekings Großer Halle des Volkes vor die Weltpresse trat. Doch da das Protokoll bestimmt, dass sich Premierminister nicht vor, sondern nach ihrer Kür der Öffentlichkeit stellen, hatte der 57-Jährige erst zwei Tage nach seinem Amtsantritt Gelegenheit, seine Ziele zu erklären…

Bernhard Bartsch | 18. März 2013 um 06:47 Uhr

 

Der Herr der leeren Teller

Der neue Präsident stellt sich als Anwalt des einfachen Volkes dar – ein gewagtes Image.

Xi JinpingEs war wie eine Begegnung mit einem Heiligen“, strahlt Reng Ziyi. „Er hat unser Leben verändert.“ Der 75-jährige Bauer spricht von Xi Jinping, Chinas neuem Präsidenten, der am Donnerstag vom Nationalen Volkskongress, Pekings Quasi-Parlament, gewählt wurde. Ende Dezember hat Reng den künftigen Staatschef getroffen. Damals besuchte Xi bei einer seiner ersten Reisen als frisch gekürter Generalsekretär der Kommunistischen Partei Rengs Heimatort Luotuowan, ein Dorf in den kargen Bergen der Provinz Hebei. 600 Menschen leben hier in notdürftigen Häusern. „Ich möchte eine Nahaufnahme echter Armut“, erklärte der schwergewichtige Politiker, während er mit seinem Pressetross durch den 600-Seelen-Ort marschierte…

Bernhard Bartsch | 15. März 2013 um 07:09 Uhr

 

Die einsame Weltmacht

Wie viel Respekt Chinas neue Führung verdient, wird sich daran entscheiden, wie viel Mut zur Veränderung sie aufbringt.

Wenn internationale Politiker China Respekt zollen wollen, sagen sie gerne, sie würden ihre chinesischen Kollegen nicht um ihren Job beneiden. Wie könnte sich ein deutscher Minister oder EU-Kommissar auch vorstellen, ein Land mit 1,3 Milliarden Menschen zu regieren? Trotzdem ist die Demut natürlich Heuchelei. Egal ob demokratisch gewählt oder im Einparteiensystem aufgestiegen – Vollblutpolitiker streben stets nach noch größeren Aufgaben, ganz unabhängig davon, ob sie dafür ernsthafte Lösungen haben. Die rettende Idee werde ihnen schon kommen, glauben sie. Leider ist das oft ein Irrtum. Chinas neue Führungsgeneration, die dieser Tage endgültig die Macht übernimmt, muss deshalb niemandem leidtun – und sich ihren Respekt erst verdienen…

Bernhard Bartsch | 15. März 2013 um 06:44 Uhr

 

Wettrüsten im Netz

Washington und Peking werfen einander Hacker-Angriffe vor und drohen mit Konsequenzen. Damit wird Cybersicherheit endgültig zur diplomatischen Frontlinie.

Der junge Computerexperte ist selbstbewusst. „Ich bin ausgebildet, um Systeme vor Hackerangriffen zu schützen“, sagt der Chinese und fügt lächelnd hinzu: „Dafür muss man natürlich erst mal selbst Hacken lernen.“ In fremde Netzwerke einzudringen, sei zentraler Teil seines Studiums gewesen, erzählt der Masters-Absolvent der renommierten Peking-Universität. Heute arbeitet er für einen internationalen Konzern, doch viele seiner Kommilitonen haben eine andere Laufbahn eingeschlagen. „Sie kamen von der Volksbefreiungsarmee und sind auch dorthin zurückgegangen“, sagt er. „Was auch immer sie dort machen, sie können mit den besten der Welt mithalten.“ Genau darüber ist nun ein scharfer Streit zwischen China und den USA ausgebrochen…

Bernhard Bartsch | 21. Februar 2013 um 22:08 Uhr

 

Kims Kampf

Der Diktator zündelt mit der Atombombe und das Volk hungert: Immer wieder fliehen Nordkoreaner aus ihrem Land. Der Aktivist Kim Sang-hun hilft ihnen dabei.

Kim Sang-hun (Copyright: Martin Gottske)Zum Vatertag erhielt Kim Sang-hun einen Anruf von einem Mann, an den er sich zunächst nicht erinnern konnte. „Ich weiß, ich habe mich lange nicht gemeldet“, entschuldigte sich der Anrufer mit tränenerstickter Stimme. „Aber ich denke jeden Tag an Sie und danke Ihnen für das neue Leben, das sie mir geschenkt haben.“ Sein Akzent verriet ihn schon nach den ersten Worten als Nordkoreaner, doch es dauerte einige Sätze, bis Kim ihn wieder vor sich sah: einen hageren, stillen Mann Anfang vierzig, Ingenieur von Beruf. Er hatte zu einer kleinen Gruppe von nordkoreanischen Flüchtlingen gehört, mit denen Kim vor einigen Jahren mehr als 3000 Kilometer quer durch China gereist war…

Bernhard Bartsch | 19. Februar 2013 um 08:44 Uhr

 

Auf Umwegen

Chinas Automarken drängen auf den Weltmarkt. Doch bevor sie sich in Europa oder den USA etablieren können, müssen sie im eigenen Land ihre Rolle finden.

Dieses Mal soll es klappen – diesmal wirklich, endlich. Beim Genfer Autosalon im März unternimmt der chinesische Autohersteller Chery einen neuen Versuch, auf dem Weltmarkt durchzustarten. Qoros heißt die Marke, die das Unternehmen dafür zusammen mit einem Joint-Venture-Partner, dem israelischen Mischkonzern Israel Corporation, gegründet hat. Seit Wochen lancieren Qoros“ PR-Berater Bilder des ersten Fahrzeugs, der kompakten Limousine Qoros 3. Dazu gibt es knappe, sorgfältig ausgewählte Fakten, die das Image der Marke von Anfang an in die richtige Spur lenken sollen…

Bernhard Bartsch | 18. Februar 2013 um 08:48 Uhr

 

Die Bombe vor der Tür

In China regt sich zunehmend Widerstand gegen die enge Allianz mit Nordkorea.

Nordkorea feierte am Samstag den 71. Geburtstag von Kim Jong Il – und das sozialistische Bruderland China feierte mit. Pekings Nachrichtenagentur Xinhua veröffentlichte gefällige Bildstrecken von Nordkoreanern, die vor dem Standbild ihres 2011 gestorbenen «Geliebten Führers» Blumen niederlegen und sich verneigen. Der Atomtest vom vergangenen Dienstag blieb unerwähnt. Im Internet hagelte es dagegen Spott, für Kim ebenso wie für Chinas unkritische Berichte. «Unsere Medien schreiben alle, der Spinner wäre 71 geworden – müssen wir Chinesen jetzt also auch nordkoreanische Märchen glauben?», schrieb einer in Anspielung auf die offizielle Geburtslegende, wonach Kim Jong Il 1942 auf Nordkoreas heiligem Berg Paektu das Licht der Welt erblickt haben soll. In Wahrheit wurde er ein Jahr vorher in der Sowjetunion geboren…

Bernhard Bartsch | 17. Februar 2013 um 08:52 Uhr

 

Der Sonnensohn und die Eisprinzessin

Wie in einem Shakespeare-Drama liegt Koreas Schicksal in den Händen zweier Diktatorenkinder. Können sie über die Schatten ihrer Väter springen?

Mun Se-gwang war kein Meisterspion. Aber er hatte einen japanischen Pass, eine gute Tarnung für einen nordkoreanischen Agenten. Am 15. August 1974 schmuggelt sich der 22-Jährige mit einem Revolver ins Nationaltheater von Seoul, um Südkoreas Präsident Park Chung-hee zu ermorden. Er nimmt er in einer der hinteren Reihen Platz, und als der Präsident ans Rednerpult tritt, pirscht er sich im Dunkel des Saales nach vorne. Den Revolver in seiner Tasche umfasst er aus Nervosität so fest, dass er versehentlich abdrückt und sich selbst in den Fuß schießt. Während die Bodyguards nach dem Präsidenten hechten, feuert Mun wahllos Richtung Bühne und trifft die First Lady tödlich in den Kopf…

Bernhard Bartsch | 13. Februar 2013 um 08:20 Uhr

 

Koreanisches Patt

Nordkorea ist auf dem Weg, ein Atomstaat mit einsatzfähigen Sprengköpfen zu werden. Nur eine Allianz zwischen Washington und Peking kann Pjöngjang stoppen.

Nordkorea demonstriert der Weltgemeinschaft wieder einmal die Grenzen ihrer Macht: Mit seinem dritten Atombombentest ignoriert Pjöngjang die Forderungen der Vereinten Nationen, sein Nuklearprogramm einzustellen. Auch wenn noch wenig Details bekannt sind, scheint Nordkorea auf dem besten Wege, eine Nuklearmacht mit einsatzfähigen Waffen zu werden. Wenn Pjöngjangs Atomphysiker weiter entwickeln dürfen wie bisher, ist es nur eine Frage der Zeit, bis sie Sprengköpfe bauen können, die sich auf eine Rakete montieren lassen. Einen Interkontinentalflugkörper, der mehr als 10.000 Kilometer weit fliegen kann und sowohl die USA als auch weite Teile Asiens und Europas beschießen könnte, hatte Nordkorea bereits im Dezember erfolgreich getestet…

Bernhard Bartsch | 12. Februar 2013 um 17:34 Uhr

 

Von Papas Gnaden

Nordkoreas Diktator Kim Jong-un erhofft sich von seinem Atomtest eine bessere Verhandlungsbasis mit den USA.

Pjöngjang Wirklich ernst hat die Welt Kim Jong-un bisher nicht genommen. In der internationalen Presse tauchte Nordkoreas 30-jähriger Jungdiktator bisher vor allem als politischer Paradiesvogel auf: Man belächelte seine Statur und Frisur, amüsierte sich über seine Vorliebe für Vergnügungsparks und Mickey Mouse, und freute sich über Bilder seiner eleganten Frau, mit der er so verliebt wirkte. Einen altstalinistischen Tyrannen stellt man sich anders vor. Seit Dienstag scheint jedoch klar, dass Kim Jong-un nicht der erhoffte Reformer ist, der Nordkorea aus der Isolation und Armut führen will, sondern vor allem der Sohn seines 2011 verstorbenen Vaters…

Bernhard Bartsch | 12. Februar 2013 um 17:18 Uhr

 

Betriebsräte für die iSlaves

h3>Foxconn will Beschäftigte mit einem Betriebsrat wieder in die Werke locken.

Die Ankündigung war gut terminiert: Wenige Tage vor dem traditionellen Neujahrsfest – in China hat gestern das Jahr der Schlange begonnen – kündigte der Elektronikkonzern Foxconn an, nach den Feiertagen in seinen chinesischen Fabriken demokratische Betriebsratswahlen abhalten zu wollen. Das Versprechen war wohl nicht nur an den Großkunden Apple gerichtet, der wegen seiner engen Geschäftsbeziehung zu dem umstrittenen taiwanesischen Elektronikhersteller seit langem in der Kritik steht. Foxconn dürfte auch hoffen, damit möglichst viele Arbeiter nach dem Fest zurück an seine Fließbänder locken zu können…

Bernhard Bartsch | 11. Februar 2013 um 07:37 Uhr

 

Spannungen in Fernost

Der Inselstreit zwischen China und Japan spitzt sich zu. Zwar will keine Seite einen Krieg, doch das tiefe Misstrauen macht eine Lösung schwierig.

Der Yasukuni-Schrein im Herzen Tokios ist eine altehrwürdige Anlage. Wie eine friedliche Oase der Ruhe liegt er zwischen den Stadtautobahnen, von denen gepflegte Alleen zu dem Shinto-Heiligtum führen, in dem die Japaner seit über 140 Jahren ihrer Kriegsopfer gedenken. «Wir sind hier, um an unseren im Zweiten Weltkrieg gefallenen Vater zu denken», sagen zwei Schwestern, die an diesem Februartag gekommen sind. Ein junger Mann ist einfach zum Sightseeing hier. Ist er ein Nationalist? «Nein», lacht er, «ich bin einfach nur Japaner.» 2000 Kilometer entfernt bezweifelt man solche Aussagen…

Bernhard Bartsch | 10. Februar 2013 um 07:43 Uhr