Und noch ein Konjunkturpaket
Schwaches Wachstum, starker Yen: Japan kämpft gegen die Deflation. Mit einem neuen Konjunkturpaket soll der Wirtschaftsmotor endlich wieder anspringen.
Mit der Weltwirtschaft geht es wieder bergauf – doch an Japan droht die konjunkturelle Erholung vorbeizugehen. Weil das Land seit anderthalb Jahren in der Deflation steckt, sehen sich Notenbank und Regierung gezwungen, abermals Geld ins System zu pumpen, in der Hoffnung, dass der Wirtschaftsmotor endlich anspringt…
Ende einer Geheimmission
Peking und Pjöngjang bestätigen Chinareise des nordkoreanischen Machthabers. Den wahren Anlass der Visite verraten sie aber nur zwischen den Zeilen.
Fünf Tage lang war es ein schlecht gehütetes Geheimnis, nun gibt es eine offizielle Bestätigung: Nordkoreas Machthaber Kim Jong-il ist zum zweiten Mal innerhalb von vier Monaten durch China gereist. Wie schon im Mai gaben die Regierungen die Visite erst bekannt, nachdem Kim am Montagnachmittag in seinem gepanzerten Sonderzug wieder die Grenze in sein Heimatland überquert hatte…
Der Drache pflanzt Fahnen auf
China bekräftigt seinen Anspruch auf das Südchinesische Meer. Die Nachbarn fürchten, Peking könne militärische Expansionsbestrebungen haben.
Es ist eine Eroberungsgeste aus alten Zeiten, realisiert mit den Mitteln der Hochtechnologie: Die Volksrepublik hat mit einem U-Boot eine chinesische Flagge in den Grund des Südchinesischen Meers gerammt. „Einige Länder mögen sich provoziert fühlen, aber das macht nichts”, erklärte Zhao Junhai, Entwickler des Forschungstauchschiffs „Seedrachen“, das den Meeresboden nach wertvollen Mineralien absuchen soll. „Das Südchinesische Meer gehört China, und ich möchte den sehen, der sich traut, das anzuzweifeln.”…
Der Osten isst rot
Seit viele Chinesen im Wohlstand leben, wollen sie vor allem eines: Fleisch. Die Folgen sind unappetitlich. Eine Recherche an den Grenzen des Wachstums.
Was tun, wenn man Geschäfte machen will und vom Geschäftemachen doch eigentlich keine Ahnung hat? Vor diese Frage sah sich Zhao Huaiwei gestellt, als er erkannte, dass es für ihn im Gefängnis keine Zukunft geben würde. Lange genug war er den sicheren Weg gegangen: mit 18 zur Armee, danach als Wächter in Pekings legendärer Haftanstalt Qincheng, Chinas Knast der Reichen, Mächtigen und Kritischen. “Irgendwann merkte ich, dass das Leben dort an mir vorbeigeht – als Soldaten durften wir ja nicht einmal das Internet benutzen”, sagt der 28-Jährige. “Ich wollte mein eigener Chef sein.” Zhao versuchte sich vorzustellen, welche Branche in Zukunft wohl so stark boomen würde, dass man selbst ohne viel Erfahrung und Kapital auf der Welle mitreiten und reich werden könnte. “Immer mehr Chinesen werden wohlhabend, und wer wohlhabend ist, will gut essen”, kalkulierte Zhao und beschloss, Fleischhändler zu werden…
Kim versetzt Carter
Nordkoreas Diktator reist zum zweiten Mal in diesem Jahr nach China – ausgerechnet während einer Pjöngjang-Visite von Jimmy Carter.
Nordkoreas Diktator Kim Jong-il scheint zum zweiten Mal innerhalb von vier Monaten nach China gereist sein – ausgerechnet während eines Pjöngjang-Besuchs des ehemaligen US-Präsidenten Jimmy Carter. Südkoreas Regierung erklärte, Kim reise mit dem Zug und werde möglicherweise von seinem jüngsten Sohn und Wunschnachfolger Kim Jong-un begleitet…
Der unendliche Stau
Auf einer chinesischen Autobahn steckten tausende Fahrer seit zehn Tagen fest – und das Land diskutierte wieder einmal den drohenden Verkehrskollaps.
Es war eine der spektakulärsten Staumeldungen in der Geschichte des Automobils: “Chinesische Behörden bemühen sich, einen 96 Kilometer langen Stau zu beenden, der von Peking bis in die nördliche Region der Inneren Mongolei reicht”, berichtete gestern die Tageszeitung China Daily. Aufgrund von Bauarbeiten steckten auf einem Teilstück der Autobahn Peking-Tibet Tausende Fahrer rund zehn Tage lang in einem Dauerstau…
Auf der Schleich-Spur
Deutsches Spielzeug ist heute größtenteils „Made in China“, doch selbst namhafte Hersteller verschließen ihre chinesischen Fabriken der Öffentlichkeit. Eine Recherche bei der schwäbischen Traditionsmarke Schleich.
Das Werkstor von Happy Crafts, einem in die Jahre gekommenen Fabrikkomplex in der südchinesischen Industriemetropole Dongguan, öffnet sich um Punkt zwölf Uhr. Trauben von Arbeitern mit blauen Hemden und Flipflops strömen in die Mittagspause. Was haben sie den Vormittag über gemacht? “Spielzeug bemalt”, erklären sie im Chor. Spielzeug? Noch Minuten vorher haben Happy-Crafts-Manager dem Journalisten am Telefon erklärt, ihre Fabrik stelle schon lange keine Spielwaren mehr her…
Chinas Todesliste wird kürzer
Die endgültige Höchststrafe soll für einige Wirtschaftsdelikte und die Zerstörung von Kulturgütern nicht mehr gelten.
Auf die Werke des Künstlers Ai Weiwei steht bald nicht mehr die Todesstrafe. Der Star des chinesischen Kunstbetriebs hatte in der Vergangenheit mehrfach antike Vasen zertrümmert oder neolithische Töpfereien in Industriefarbe getaucht – wohl wissend, dass die Zerstörung wertvoller Kulturgüter laut chinesischem Recht theoretisch mit der Höchststrafe geahndet werden kann…
Wicht-Ich
Von wegen kleine Rädchen und blaue Ameisen: Die Chinesen sind heute ein Volk von VIPs.
Ich bin ja so wichtig. Mein Geldbeutel platzt vor VIP-Karten, und zuhause habe ich noch eine halbe Schublade voll. Ich bin VIP in einem guten dutzend Restaurants, fünf Coffeeshops, drei Supermärkten, zwei Elektroläden und bei meinem Gemüsehändler. Nicht, dass ich mir etwas darauf einbilden würde. „Very important person“ ist heute in China jeder…
Oktopus Paul wird in China zum Filmstar
Die Geschichte von Deutschlands Fußball-Orakel kommt im August in Chinas Kinos. Die Hauptrolle in „Tötet Krake Paul“ spielt ein chinesischer Artgenosse.
Oktopus Paul wird in China zum Filmstar. Schon Ende August soll die Geschichte des Fußballorakels aus dem Oberhausener Sea Life Centre in die chinesischen Kinos kommen, erklärte die Produzentin Song Ping. „Die Oktopusszenen werden in den kommenden Tagen in den Pekinger Filmstudios gedreht“, sagte Song. Die Hauptrolle in der Krimikomödie mit dem Titel „Tötet Krake Paul“ übernimmt jedoch ein chinesischer Artgenosse. „Wir hätten gerne den echten Paul gehabt, aber es hat nicht geklappt“, so Song…
Zwölf Fäuste für den Frieden
Sechs chinesische Polizisten haben versehentlich die Frau ihres Chefs krankenhausreif geschlagen und so eine Diskussion über staatliche Willkür entfacht.
Sechzehn Minuten sind eine lange Zeit. Wenn man misshandelt wird, sind 16 Minuten eine Ewigkeit. Bei Profiboxkämpfen werden in sechzehn Minuten volle vier Runden absolviert, inklusive Pausen. Doch für Chen Yulian gab es keine Unterbrechung. Sechzehn Minuten lang wurde die 58-Jährige am Eingangstor der Provinzzentrale der Kommunistischen Partei im zentralchinesischen Wuhan von sechs Polizisten geschlagen, getreten und beschimpft, bis sie in Ohnmacht fiel. Zweifel an ihrem Verhalten befiel die Aggressoren erst, als man ihnen später mitteilte, wen sie da malträtiert hatten: nicht etwa irgendeine hilflose ältere Dame, sondern die Ehefrau eines hohen Vorgesetzten…
Die Meinungsfreiheit der Krake Paul
Chinas Medien geben Angela Merkel nach ihrem Staatsbesuch gute Noten.
So gute Presse hätte Angela Merkel in Deutschland zweifellos auch gerne: Nach ihrer jüngsten Chinareise überbieten sich die Medien der Volksrepublik gegenseitig in Lobeshymnen auf die deutsche Bundeskanzlerin. „China und Deutschland verbringen wieder Flitterwochen zusammen“, titelte die Finanzzeitung „Guoji Jinrong Bao“…
Chinesische Tonleiter
Angela Merkel wählt in China die richtigen Worte – doch ganz ohne Dissonanzen geht es nicht.
Der Moment, den alle gefürchtet haben, kommt am Samstagvormittag kurz vor halb elf. Über eine Stunde sitzen Kanzlerin Angela Merkel und Chinas Premier Wen Jiabao schon auf unbequemen Antikmöbeln im “Pavillon der Purpurnen Wolke” in der alten Kaiserstadt Xian und beantworten Fragen deutscher und chinesischer Unternehmern. Die Stimmung ist gelöst, besonders auf chinesischer Seite. Unter Gelächter hat der Großreeder Wei Jiafu Merkel gefragt, warum der Ausbau des Hamburger Hafens nicht vorankomme – in der Volksrepublik ist man an ein strafferes Entwicklungstempo gewöhnt. Der Werkzeugfabrikant Xiang Wenbo hat ebenfalls für Heiterkeit gesorgt, als er forderte, chinesischen Investoren in Deutschland Sondervergünstigungen einzuräumen…
„China steckt fest“
Angela Merkel hat sich mit vier Mitgliedern der Zivilgesellschaft getroffen. Der Jurist He Weifang erzählt, was er der deutschen Kanzlerin über China erklärt hat.
Bernhard Bartsch: Herr He, Sie haben in Peking die deutsche Bundeskanzlerin getroffen. Was haben Sie ihr über China erzählt?
He Weifang: Wir haben über Menschenrechte, Pressefreiheit, das Rechtssystem und Internetzensur gesprochen. Ich habe Kanzlerin Merkel vorgeschlagen, dass sie chinesische Politiker bei Deutschlandbesuchen einmal zum Bundesverfassungsgericht führen sollte, damit sie verstehen, wie eine unabhängige Justiz funktioniert. Außerdem können die Deutschen den Chinesen zeigen, dass es sich wirklich lohnt, die eigene Vergangenheit aufzuarbeiten und daraus zu lernen…
Hand in Hand
Angela Merkel bemüht sich in China, der deutschen Wirtschaft Türen zu öffnen. Die Achse Berlin-Peking soll ein Garant globaler Stabilität werden.
Was für ein Tag, um für deutsche Umwelttechnologie zu werben: Zum Auftakt von Angela Merkels Staatsbesuch war Chinas Hauptstadt am Donnerstag in derart dicken Smog gehüllt, dass Pekings Protokollbeamte das militärische Begrüßungsritual vom Platz des Himmlischen Friedens in die Marmorhallen der Großen Halle des Volkes verlegen mussten…
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